Häufig gestellte Fragen und Antworten
zur zweisprachige Erziehung und Bildung
Immersion heißt Sprachbad. Die Kinder tauchen in die neue Sprache ein. Dabei ist die neue Sprache die Umgangssprache und Arbeitssprache, auch wenn die Kinder sie zu Beginn nicht kennen. Sie erschließen sich die neue Sprache selbst aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht wird. Immersion folgt den Prinzipien der Psycholinguistik. So lernt ein Mensch auch seine Muttersprache. Immersionslernen überfordert nicht, weil die Sprache nicht zum Thema gemacht wird und Grammatik und Vokabeln nicht im Vordergrund stehen. Es wird weder von Erziehern noch von Lehrern sprachliche korrigiert. Dadurch ist der Spracherwerb frei von Druck. Die Erzieher bzw. die Lehrer unterstützen alles, was sie sagen, durch Gesten und Zeigen. Immersionslernen ist die derzeit weltweit erfolgreichste Methode für den Spracherwerb. Sie erfordert, dass viel Zeit mit der neuen Sprache verbracht wird.
Im Kindergarten heißt Immersionslernen: eine Erziehungskraft spricht deutsch, die andere ausschließlich die neue Sprache. Die fremdsprachliche Kraft unterstützt das, was sie tut, mit Zeigen und Gesten. Wenn sie sich beispielsweise bückt, sagt sie: „Ich bücke mich.“ In der Schule heißt Immersionslernen, dass der Unterricht in den Sachfächern in der neuen Sprache stattfindet. Die neue Sprache wird dabei nicht zum Thema gemacht. Es gibt keinen oder nur wenig formalen Sprachunterricht. Es wird nicht korrigiert. Es kommt darauf an, den Inhalt zu begreifen. Dafür muß man nicht jedes einzelne Wort verstehen. Die Sprache ist das Unterrichtswerkzeug, mit dem Kinder sich die Sachinhalte selbständig erschließen. Sprache ist nicht selbst der Unterrichtsgegenstand. Immersionslernen gilt gegenwärtig als die weltweit erfolgreichste Methode zur Sprachvermittlung. Sie benötigt viel Zeit. Immersionslernen unterscheidet sich grundlegend vom herkömmlichen Fremdsprachenunterricht, dem sogenannten lehrgangsorientiertem Unterricht.
Weil Immersionslernen die Kinder ohne Druck an die Sprache heranführt, weil Immersion den Kindern ihr individuelles Tempo läßt, weil Immersion intuitives Sprachenlernen ermöglicht, weil Immersionsunterricht sehr vielfältig und damit individuell ist, weil Immersionslernen die Sprache nicht zum Thema macht, sondern Sprache das Werkzeug ist.
Wenn der Kontakt zur Sprache intensiv, regelmäßig, vielfältig ist und über lange Zeit anhält. Wichtig ist, in möglichst konkreten Sachzusammenhängen die neue Sprache zu gebrauchen: Wenn über Äpfel gesprochen wird, sollten Äpfel zugegen sein. Je mehr Sinne dabei angesprochen werden, desto besser.
Es ist sehr erfolgreich und kindgemäß, eine zweite Sprache schon im Kindergarten zu beginnen und in der ab Klasse 1 weiterzuführen. Immersionslernen im Kindergarten funktioniert dann besonders gut, wenn in der Kita regelmäßiger Sprachkontakt stattfindet. Es sollte die Hälfte oder noch besser die gesamte Öffnungszeit in zwei Sprachen verbracht werden. In der Schule hat sich bewährt, ab Klasse 1 bereits 70% des Unterrichts in der neuen Sprache zu geben. Dies geht, indem Sachfächer – außer dem Fach Deutsch - in der neuen Sprache unterrichtet werden. Immersionslernen gilt derzeit als das weltweit erfolgreichste Sprachvermittlungsverfahren.
Eine Person bleibt bei einer Sprache: Im Kindergarten spricht eine Erziehungskraft zum Beispiel immer deutsch, die andere immer russisch. Zweisprachig erziehende Eltern teilen sich die Sprachen zum Beispiel so auf, dass der Vater in der Familie immer die eine Sprache spricht, die Mutter immer die andere.
Es ist kindgerecht, Kindern eine zweite oder auch eine dritte Sprache zu ermöglichen, wenn man die richtige Methode wählt. Weniger als ein Drittel der Menschheit wächst einsprachig auf. Kinder in vielen Familien wachsen auch in Deutschland mehrsprachig auf. Sprachen werden gut erworben, wenn man viel Zeit mit der Sprache verbringt, der Kontakt vielfältig ist und man es lange durchhält. Wenn eine kindgerechte Methode gewählt wird (siehe Immersionslernen), ist eine Überforderung nicht zu befürchten. Ein zweisprachiger Kindergarten ist eine gute Gelegenheit für eine zweite Sprache. Eine zweite Sprache fördert grundsätzlich die kognitive (geistige) Entwicklung des Kindes.
Eine Sprache muß nicht abgeschlossen sein, damit eine weitere dazu kommen kann. Voraussetzung ist eine altersgemäße Entwicklung der Muttersprache durch regelmäßigen Gebrauch zu Hause.
Nein dieser Rat ist falsch. Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig erwerben. Der Mensch ist auf Mehrsprachigkeit ausgelegt, nicht auf Einsprachigkeit. Im Gegenteil, der Kontakt zu einer zweiten Sprache in frühem Alter tut gut, fördert die geistige Entwicklung und hilft dem Kind sogar, die Muttersprache gut zu entwickeln. Dies liegt daran, dass die Fähigkeiten, die für Spracherwerb benötigt werden, beiden Sprachen zugute kommen.
Bilingual heißt zweisprachig. Bi = zwei, Lingua = Sprache. Mit dem Begriff ist keine bestimmte Methode verbunden – Zweisprachigkeit kann durch verschiedene Lehr/Lernmethoden erreicht werden, eine besonders effektive, die sich auch für Kinder besonders eignet, ist die des Immersionslernens.
Weniger als ein Drittel der Menschheit wächst einsprachig auf, der Rest mehrsprachig.
Die Staats- und Regierungschefs der 15 EU-Staaten haben bei Ihrem Gipfeltreffen in Barcelona im Frühjahr 2003 beschlossen, dass alle EU- Bürger künftig vom frühesten Kindesalter an zwei fremde Sprachen lernen sollen. Ziel ist ein funktional angemessenes Niveau.
Die Anforderungen an Sprachen sind im Laufe der letzten Jahre drastisch gestiegen. Sehr gute Sprachkenntnisse werden immer wichtiger.
Zumindest sehr gute Englischkenntnisse sind heute zur beruflichen Schlüsselqualifikation geworden, aber Englisch allein reicht nicht. Es muß auch eine 2. Fremdsprache vernünftig beherrscht werden - sprechen, schwatzen, schreiben, lesen.
Für die Verständigung in der Welt, als Voraussetzungen für Frieden, für die Zusammenarbeit in Europa werden sehr gute Sprachkenntnisse immer wichtiger- sie alleine reichen nicht für eine friedliche Welt, sind aber Vorraussetzung. Für den Einzelnen eröffnen sich durch Mehrsprachigkeit berufliche Chancen sowie Möglichkeiten, mit vielen anderen Menschen zu sprechen. Man hat Zugang haben zu fremdsprachlichen Filmen, Büchern, Theater. Mehrsprachige Menschen sind außerdem sprachlich flexibler als einsprachige.
Funktional angemessen heißt: dass die Schulabsolventen das für ihren Beruf erforderliche Niveau erreichen, zumindest aber in seine Nähe kommen. In vielen Stellenanzeigen wird schon heute „verhandlungssicheres“ Englisch verlangt. Darauf muss nicht nur das deutsche Schulsystem ausgerichtet werden. Schulabgänger sollen wenigstens Diskussionen folgen, ihre Argumente vortragen, sicher lesen und sich in vielen verschiedenen Situationen sprachlich sicher ausdrücken können.
Nein, das ist nicht nötig und nicht erwünscht. Lernprogramme sind nicht altersgemäß. Kinder lernen Sprachen intuitiv, indem sie - wie bei ihrer Muttersprache auch - die Dinge aus dem Zusammenhang erfassen.
Eltern können ihren Kindern vermitteln, dass ihnen selbst Fremdsprachen wichtig sind. Wieso nicht selbst eine Sprache lernen oder aufbessern? Für Sprachkontakt außerhalb der Kita oder Schule gibt es außer Urlaub in einem anderen Land Möglichkeiten wie Bücher, Filme, Musik, Computerspiele, Zeitschriften. Sie sollten altersgemäß sein und niemals sollte Druck ausgeübt werden! Ganz besonders wichtig aber ist, dass Eltern zu Hause die Muttersprache pflegen: viel vorlesen und viel mit den Kindern sprechen. Ist die Muttersprache gut entwickelt, ist dies eine gute Voraussetzungen für eine weitere Sprache.
In der anderen Sprache zu spielen, kann Spaß machen, aber auch hier ist die Kontaktzeit, die Regelmäßigkeit und die Vielfalt des Sprachkontakts entscheidend. Schließlich ist auch die Beziehung des Kindes zur fremdsprachlichen Erzieherin für den Spracherwerb wichtig. Die Kontaktzeit ist kurz (vergleiche Stichwort Immersionslernen). Sie ist ungleich kürzer, als wenn während der ganzen Öffnungszeit eine Fachkraft den Alltag mit den Kindern in der neuen Sprache verbringt. Außerdem ist „Unterricht“ im Kindergarten nicht altersgemäß. Die Einrichtung einer Spielgruppe ist eher eine künstliche Situation. In der Praxis läßt sich die Organisation von Spielgruppen neben dem Kita-Alltag auf Dauer schwer aufrechterhalten. Die Sprache ist immer aufbereitet – wenn auch spielerisch – und selten authentisch. Oftmals werden Kindergruppen für die Sprachstunde auseinandergerissen. Dies kann problematisch sein, denn alles, was von der Normalität abweicht, ruft leicht Abneigung hervor. Die Extrabezahlung der Spielstunden kann Eltern und Kinder spalten. Diese Bedingungen führen dazu, dass bei durchschnittlichen Kindern kein Spracherwerb dabei herauskommen kann, der vergleichbar wäre mit Immersionslernen.
Immersion ist kostenneutral, denn es werden keine zusätzlichen Kräfte im Kindergarten und in der Schule benötigt. Außerdem scheinen die kognitiven (geistigen) Fähigkeiten der Kinder zu profitieren – vor allem in Kanada wird Immersionslernen seit circa 25 Jahren wissenschaftlich begleitet, und die Testergebnisse der Kinder weisen in diese Richtung
Immersionslernen macht Sprache nicht zum Unterrichtsgegenstand, sondern die neue Sprache ist das Werkzeug. Mit ihr erschließen sich die Kinder selbst die Inhalte, zum Beispiel in Mathematik oder Sport oder Geschichte. Das Lernen wird den Kindern überlassen, sie finden ihr eigenes Tempo. Immersionsunterricht ist sehr individuell, dadurch ist die Methode Immersion frei von Druck. Die Kenntnisse, die sich das Kind in der Fremdsprache erworben hat, stehen dann auch in der Muttersprache zur Verfügung. Der Fachunterricht leidet weder in Qualität noch in Quantität des von den Schülern erworbenen Fachwissens. Beim Immersionslernen steht die Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten im Vordergrund.
Eine besondere Begabung ist keineswegs erforderlich. Voraussetzung ist eine altersgemäße Entwicklung der Muttersprache durch regelmäßigen Gebrauch zu Hause.
Besonders in Kanada, Finnland, Spanien, USA. In Deutschland: dänische Kitas und Schulen, deutsch-französische Kitas im Saarland, dem Verbund aus deutsch-englischer Kita und Grundschule in Altenholz/Kiel sowie in Internationalen Schulen.
Weil man nur dann genug Zeit hat, zwei weitere Sprachen zusätzlich zur Muttersprache ausreichend zu fördern. Die Kitazeit ist sehr gut geeignet, um Sprachen ohne Druck und streßfrei zu erwerben. Die kognitive (geistige) Entwicklung der Kinder profitiert.
Diese Frage ist noch nicht umfassend genug untersucht. Es gibt Einzelbeispiele mit positiven Erfahrungen. Wichtig ist, dass Eltern mit den Kindern recht konsequent in ihrer Muttersprache weiter sprechen, damit sich diese altersgemäß entwickeln kann. Außerdem ist es im Umgang mit Migrantenkindern immer wichtig, deren Muttersprache eine hohe Wertschätzung gegenüber zu zeigen – auch ganz unabhängig von Immersionslernen: Je höher die Wertschätzung, desto größer die Selbstsicherheit zum Erlernen von neuen Sprachen. Mehr über die Ergebnisse finden Sie in der Broschüre von Prof. Henning Wode zu bilingualen Kitas: Mehrsprachigkeit/Comenius und im Vortrag von Dr. Andreas Rohde: Bilinguale Konzeptionen im Kindergarten: Sind sie für alle Kinder gleichermaßen geeignet? Zur besonderen Problematik von Migrantenkindern.
Die Muttersprache ist im Allgemeinen die Sprache, die ein Kind als erstes erlernt, im sogenanten Primärsprachenerwerb. Manche sprechen auch von Familiensprache oder der L1. Bei zweisprachig aufwachsenden Kindern kann die Festlegung einer Muttersprache schwierig sein, dann sollte man die zurzeit gerade stärkste Sprache annehmen, wenn es darum geht, ob sie altersgemäß entwickelt ist.
Nach etwa 6 Wochen verstehen die Kinder genug, um den Kindergartenroutinen in der zweiten Sprache folgen zu können. Dadurch, dass die Kinder stets die Wahl zwischen einem Deutsch- und einem Russisch- sprachigen Erzieher haben, kann der Kindergarten zweisprachig ablaufen.
Die (fremdsprachigen) für das jeweilige Kind Erziehungskräfte unterstützen das, was sie sagen, mit Gesten und Zeigen. Wenn über Äpfel gesprochen wird, sollten Äpfel zugegen sein, je mehr Sinne dabei angesprochen werden, desto besser. Die Kinder können sich selbständig erschließen, um was es geht. Genau dies tun sie auch beim Erwerb ihrer Muttersprache. Sie sind dabei nicht überfordert. Lernpläne und Kontrollen gibt es nicht.
Die Kinder brauchen nicht die WORTE zu verstehen. Es genügt, wenn sie mitbekommen, um was es geht. Die fremdsprachliche Erzieherin wird alles, was sie tut, mit Gesten und Zeigen unterstreichen. Wenn sie sich bückt, sagt sie, ich bücke mich. Wenn sie dem Kind einen roten Stift gibt, wird sie sagen: „Hier, der rote Stift.“ Wenn es rausgeht, wird sie sagen, "Komm, wir ziehen Schuhe an", und das dann auch tun. Wiederkehrende Ritualen und formelhafte Dingen wie Grüßen etc. werden die Kinder zuerst begreifen. Dabei durchschauen sie die sprachlichen Strukturen nicht. Das macht nichts. Stellen Sie sich vor, eine Frau erzählt auf Persisch, einen Ihnen unbekannte Sprache, ihre Geschichte. Keiner wird etwas verstehen. Spricht die Frau und stellt dabei gleichzeitig mit einer Handpuppe das dar, was sie erlebt hat, wird jeder begreifen, worum es geht. Dieses Beispiel erzählen wir, weil es einen kleinen Film dazu gibt. Nach 6 Wochen bereits kann man eine Kita zweisprachig führen, die Kinder verstehen dann genug für den Kita-Alltag. Die Kinder durchschauen die Redewendungen und die einzelnen Worte nicht, aber das ist auch nicht erforderlich fürs Verstehen. Sie lernen es im Laufe der Zeit, wie man eben seine Muttersprache auch lernt. Die fremdsprachliche Erzieherin muß genug deutsch verstehen, damit sie weiß, was die Kinder wollen, wenn sie sich an sie wenden. Wenn sie sympathisch ist, werden die Kinder sich sehr wohl an sie wenden, auch wenn sie eine andere Sprache spricht. Es läuft auch viel über die Beziehung zu ihr, wenn sie nett ist, wollen die Kinder alles verstehen.
